Risikobewertung niederfrequenter elektromagnetischer Felder

2.9.2 Ausgewählte Details

2.9.2.1  Zu Argumenten auf Basis der Gitterdynamiktheorie

Ein wesentlicher Teil der Wirkungsmechanismus-Bewertung von SCENIHR beruht auf dem Übersichtsartikel von Sheppard et al. [Shep 2008] und einer Publikation von Prohofsky [Proh 2004]. Die  Argumentation bezieht sich weitgehend auf die Anregung bzw. Dämpfung von Molekülschwingungen und beruht auf Formeln der Gitterdynamik. Diese gelten für einen großen Bereich regelmäßiger, sich periodisch wiederholender Strukturen. Ein Großteil der Biomoleküle, die für die richtige „Signalverarbeitung“ (s.u.) biologischer Funktionen  verantwortlich sind, befinden sich nicht in einer Umgebung, für die eine derartige gitterdynamische Behandlung angemessen ist.  Das gilt ebenso für die Behandlung der Umgebung als Kontinuum.

Außerdem werden Formeln verwendet, die ein thermodynamisches Gleichgewicht voraussetzen. Hier handelt es sich aber  gerade um ein Problem der Nicht-Gleichgewichtsthermodynamik (s.o.) . Einige der für die Abschätzungen verwendeten Näherungen und die Verwendung von Parametern für homogenes Material sind unzureichend oder fehl am Platz. Sie werden in der Originalarbeit z.T.  auch nur als Vermutung angegeben.

Zwar werden nachfolgend Ausnahmen genannt (S.61), die aber in der Gesamtbewertung dann später keine Rolle mehr spielen.

Insgesamt ist der geschaffene Eindruck, dass aus Gründen gitterdynamischer und thermodynamischer Betrachtungen durch die betrachteten elektromagnetischen Felder gar keine Effekte entstehen können, die biologische Prozesse stören könnten, falsch.